Deutsche Insurtech-Szene: Vorne dran oder hinterher?

Auf der weltweit größten Insurtech 3.0 Konferenz in London beleuchteten wir letzte Woche den Stellenwert deutscher Start-ups im Versicherungsbereich gemeinsam mit wichtigen Vertretern der deutschen Insurtech-Szene. Auf dem Podium durfte ich dafür zusammen mit folgenden Teilnehmern diskutieren: Dr. Claudia Lang (CEO Community Life), Nikolaus Sühr (CEO Kasko), Gautier Lobry (CTO evertrace), Kurosch Habibi (CEO Carl Finance, FORBES 30 Under 30), Fabian Fischer (CEO massUp). Dr. Moritz Finkelnburg (Akademischer Direktor Goethe Business School) moderierte das Panel.

Insurtech „Enabler“ mit größter Erfolgsaussicht

In seiner Panel-Eröffnung wies Dr. Finkelnburg anhand seiner Analysen auf drei unterschiedliche Insurtech-Wellen in Deutschland hin, die bisher durchlaufen wurden:

  • Die erste Welle (2012-2015) hat die „Enabler“ hervorgebracht.
  • Die zweite Welle (2015/16) zeigt die Gründungen der Insurtech Broker.
  • Die dritte Welle markiert seit 2017 die Gründungen der ersten Insurtech-Vollversicherer.

Aus seiner Sicht hat Deutschland aufgrund dieser drei Wellen eine Vielfalt an Start-ups im Insurtech-Bereich zu bieten und braucht sich vor internationalem Vergleich nicht zu verstecken. Dabei haben laut Finkelnburg die „Enabler“ die besten Voraussetzungen für ein langes Fortbestehen, da diese den Markt nicht komplett neu erfinden, sondern auf Kooperation mit den etablierten Versicherungen bzw. Assekuradeuren oder Maklern setzen. Im Zentrum steht also Kollaboration, nicht Disruption.

Deutschland auf 2. Platz bei Finanzierungsrunden

Zahlen aus dem gesamten Fintech-Bereich zeichnen ein interessantes Bild: 2018 wurden in Großbritannien 123 Finanzierungsrunden mit einem Volumen von 1,259 Mrd. Dollar durchgeführt. Damit steht England in Europa unangefochten an erster Stelle. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 26 Runden mit einem Volumen von rund 602 Mio. Dollar. Damit belegt Deutschland den zweiten Platz hinter Großbritannien, gefolgt von Frankreich auf dem dritten Platz mit 14 Runden und einem Volumen von 230 Mio. Dollar.

Auch wenn diese Zahlen das gesamte Fintech-Spektrum umreißen, sind die Unterschiede deutlich erkennbar. Trotz Brexit ist London eines der wichtigsten Finanzzentren der Welt, auch für Insurtechs. Da wundert es kaum, dass z.B. Kasko dort ein Büro eröffnet hat.

Deutsche InsurTechs weltweit erfolgreich

Quantität ist jedoch nicht alles. Es existiert zwar kein belastbares Datenmaterial, dennoch hielt sich in der Diskussion hartnäckig die These, dass die deutschen Insurtechs nachhaltiger aufgestellt sind. Ausschlaggebend für diese Meinung sind die Regulierungsstandards in Deutschland, die im Vergleich zu anderen Ländern sehr viel höher sind. Außerdem sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die anwesenden Start-ups aus Deutschland mit ihrem Angebot zum Teil auch global unterwegs sind. „If you can make it in Germany as an Insurtech, you can make it everywhere“, sagte Fabian Fischer. Und er muss es wissen, denn sein Insurtech massUp hat Kunden weltweit.

enowa als Bindeglied zwischen etablierten Versicherungen und Insurtechs

In der Diskussion wurde deutlich, dass wir als enowa eine wichtige Rolle in diesem Transformationsprozess spielen. Insurtechs haben die Probleme der Versicherungen, Makler und Assekuradeure erkannt. Ihre technologischen Angebote helfen und bieten neue Lösungen. Leider haben die etablierten Unternehmen an dieser Stelle eine ganz zentrale Herausforderung. Sie können diese neuen Technologien und Services nicht einfach in ihre IT-Systemlandschaft integrieren. Die Gründe: Keine offenen Schnittstellen, eine Vielzahl an IT-Systemen und alte Technologien erschweren es beiden Seiten, miteinander zu arbeiten. Ebenso fehlt es manchmal an fachlichem Versicherungswissen.

Genau an dieser Stelle setzen wir an. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung als Schnittstelle zwischen Fachbereichen und IT kennen wir die Komplexitäten und Schwierigkeiten bei Erstversicherern. Wir sind in der Lage, beide Seiten zielführend zusammenzuführen und schaffen somit eine Win-win-Situation. Die digitale Transformation einer ganzen Branche ist voll im Gange. Und wir sind als Gestalter und Connector mittendrin, statt nur dabei.

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Vorstand enowa AG Hans-Peter Holl
Hans-Peter Holl
Vorstand Versicherungswirtschaft

Hans-Peter Holl ist Vorstand des Geschäftsbereichs Versicherungswirtschaft der enowa AG. Als Kenner der Versicherungsprozesse und -IT begleitet er seit über fünfundzwanzig Jahren Versicherer bei ihren Digitalisierungsvorhaben. 

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