enowa im Zoom: Digitale Maklerservices als Geschäftstreiber für Versicherungsunternehmen

Wie in weitgehend gesättigten Märkten Wachstum generieren? Diese Frage treibt aktuell die Versicherungsbranche um. Sebastian Schmidt, Experte für technische Datentransformation bei enowa, verrät im Interview, warum digitale Maklerservices das eigene Versicherungsgeschäft beleben und wie dabei die Software Portfoliotransfer unterstützt.

Sebastian, du bist seit sieben Jahren bei der enowa beschäftigt. In welchen Bereichen hast du bisher vor allem gearbeitet?

Sebastian Schmidt: Mein erstes Projekt hat mich damals direkt zur Allianz nach Unterföhring gebracht, im Bereich Firmen Sach habe ich damals den Kollegen erst mal nur über die Schulter geschaut. Von der Uni kommend, vollgepumpt mit Theorie, hatte ich natürlich nur wenig Kenntnis von der Praxis. Die Kollegen waren aber stets hilfsbereit und haben mich schnell ins Laufen gebracht. Nach vielen Projekten, hauptsächlich im Kontext der digitalen Transformation bei anderen Versicherern, unter anderem dem Industrieversicherer der Allianz (AGC&S), kam ich schließlich 2018 zu einem Entwicklungsprojekt für die Zürich Versicherung – das war die Geburtsstunde des heutigen Portfoliotransfers. Seitdem befasse ich mich in der Rolle des PO mit Erweiterung und Ausbau der Plattform, um die Anforderungen des Marktes abbilden zu können.

Wer sich hier strategisch smart positioniert und einen guten Mix an Schnittstellen zu den Maklern vorhält, kann die sich abzeichnende Marktentwicklung zu seinen Gunsten nutzen.

Seit zwei Jahren bist du nun verantwortlich für die Weiterentwicklung des Portfoliotransfers bei enowa. Inwieweit kann diese Software Versicherer unterstützen?

Sebastian Schmidt: Um das Potenzial der Bestandsumdeckung und den möglichen Mehrwert für Versicherer besser verstehen zu können, muss man sich auch die Faktoren der anderen Märkte anschauen.

  1. Die Versicherer sehen sich schweren Zeiten gegenüber, da natürliches Wachstum in den Sparten nur schwer möglich ist. Die Märkte der Sparten sind weitgehend gesättigt, sodass sich Versicherer nach anderen Wegen umschauen müssen, um Wachstum zu generieren.
  2. Auf der anderen Seite haben wir im Maklermarkt ein Durchschnittsalter von 50+, sodass absehbar ist, dass hier in der nahen Zukunft viele Bestände den Betreuer und/oder den Versicherer wechseln. Somit liegt eine potenzielle Win-win-Situation für Makler und Versicherer vor.

Wer sich hier strategisch smart positioniert und einen guten Mix an Schnittstellen zu den Maklern vorhält, kann die sich abzeichnende Marktentwicklung zu seinen Gunsten nutzen. Mit der Plattform kann dann ganz einfach jeder Maklerbestand per Knopfdruck in das Bestandsführungssystem des neuen Versicherers übertragen werden. Im Vergleich mit anderen Anbietern, welche eine Übertragung innerhalb von 30 Tagen versprechen, lässt sich hier die Übertragung wirklich per Knopfdruck realisieren.

Sebastian Schmidt: Abgesehen von den strategischen Möglichkeiten für Versicherer bietet das Tool auch für Makler selbst einen echten Mehrwert. Diese stehen heute vor der Herausforderung, ihre gesamten Bestände im Rahmen der IDD-Richtlinie aktuell zu halten und ihrer Pflicht zur Pflege der Versicherungsverträge nachzukommen. Eine Mammutaufgabe, die nur digital gelöst werden kann. Auch in diesem Kontext kann der Portfoliotransfer einen echten Mehrwert für Makler bieten.

Als digitaler Partner mit einem Angebot an digitalen Services bieten sich Versicherern nun ganz konkrete Möglichkeiten, den eigenen Bestand aufzuwerten und das eigene Geschäft zu erweitern. Bestimmen im Bereich Bestandsumdeckung und -verkäufe nicht vor allem die Provisionen das Geschäft?

Sebastian Schmidt: Während in früheren Jahren besonders die angebotenen Provisionssätze für Makler einen Anreiz darstellten, für bestimmte Versicherer präferiert Produkte zu vertreiben, wird das Geschäft zukünftig deutlich stärker durch das Angebot digitaler Services von Versicherern an Makler beeinflusst. Eine durchdachte digitale Unterstützung spart dem Makler sehr viel Zeit, wodurch das Verhältnis von Provisionssatz zu benötigter Zeiteinheit künftig die Messzahl sein wird, nach der Makler ihre Vertriebsstrategie ausrichten werden.

Wie genau unterstützt nun der enowa Portfoliotransfer die Versicherer?

Sebastian Schmidt: Indem die Software genau diese digitalen Services zur Verfügung stellt. Sie automatisiert die Anbindung des Maklers bis in die Bestandssysteme des Versicherers. Mithilfe des Tools können verschiedene Datenformate wie GDV, BiPRO, XLS oder auch OCR im ersten Schritt vom Makler in den Portfoliotransfer importiert werden. Im Rahmen des Importprozesses werden frei konfigurierbare Datenvalidierungen, kontextbasierte Geschäftsregeln sowie Aussteuerungslogiken und unzulässige Attributkombinationen abgeprüft. Zu den besonderen Features gehört die anwenderfreundliche Verwaltung der Validierungen und Logiken in einer Excel-Tabelle.

Welche Konfigurationsmöglichkeiten haben Versicherer dann?

Sebastian Schmidt: Versicherer haben die Möglichkeit, die Daten nach individuellen Underwriting-Vorgaben anhand von definierten KPIs zu analysieren und die Daten in Diagrammen grafisch aufzubereiten. Nach einer (optionalen) Tarifierung können die Daten schließlich direkt in das Bestandsführungssystem eingearbeitet werden, idealerweise über bereits bestehende Antragsstrecken. Der gesamte Prozess erfolgt für den Versicherer datenschutzkonform, papierlos und automatisiert.

Wie erfolgt die Bereitstellung und Wartung des Portfoliotransfers?

Sebastian Schmidt: Die Versicherer können bei der Nutzung des Portfoliotransfers selbst bestimmen, wie sie das Hosting betreiben möchten. Der enowa Portfoliotransfer ist sowohl als Software as a Service als auch als On-premises-Lösung erhältlich und lässt sich von den Versicherungsunternehmen durch die webbasierte Applikation einfach steuern und warten. Aufgrund der überschaubaren Investitionssumme stellt der Portfoliotransfer gerade auch für kleinere Versicherungsunternehmen eine lohnenswerte Investition dar.

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Autor
Sebastian Schmidt
Senior Consultant

Sebastian Schmidt ist Experte für die technische Datentransformation im Bereich Makleranbindung bei der Firma enowa AG. Mit seinen über sieben Jahren Erfahrung berät er Versicherungsunternehmen hinsichtlich der Anbindung von APIs sowie der Umsetzung großer IT-Projekte. 

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