Invisible Insurance: Warum Versicherungen auf digitale Ökosysteme setzen sollten

Das neue Jahr hat begonnen und schon tauchen sie in jedem Informationsmedium wieder auf: die TOP IT-Trends, mit denen sich die Unternehmen beschäftigen sollten. Doch: Was nützt die beste Technologie, wenn wir noch gar nicht wissen, zu welchem Ziel sie uns führen soll? Technologie ist kein Selbstzweck, sondern hilft uns, unsere Ziele zu erreichen! Zunächst sollte doch feststehen, wohin die Reise geht und welche Etappen auf dem Weg liegen. Erst dann wird der Rucksack mit der passenden Technologie-Ausrüstung gepackt. Und da gibt es für Versicherer vor allem zwei Zielrichtungen: Natürlich werden auch in den nächsten Jahren gewohnten Prozess-Pfade optimiert und automatisiert werden müssen, um unterm Strich wirtschaftlicher arbeiten zu können. Hier werden Technologien wie Process Mining und Künstliche Intelligenz immer stärker zum Einsatz kommen. Genauso wichtig ist es jedoch auch, in diesem Jahr die Weichen für neue Geschäftsfelder zu stellen, um auch in Zukunft im Markt bestehen zu können. Das Zauberwort: Ökosystem Versicherung.

Der Aufbau eines Ökosystems in Zusammenspiel mit offenen Programmierschnittstellen (Application Programming Interfaces, APIs) wird eine zentrale Rolle spielen! Warum? Das erläutere ich gerne mit den folgenden Thesen:

These 1: Kunden interessieren sich nicht für Versicherungen!

Die zentrale Herausforderung der Versicherer wird in den nächsten Jahren darin bestehen, neue Kundenzugänge zu schaffen. Das Problem dabei ist, dass Versicherer – Stand heute – nicht im Alltag der Kunden verankert sind. Das Thema Versicherungen interessiert nur punktuell, eine direkte Kommunikation erfolgt meist nur im Schaden- oder Kündigungsfall. Hand aufs Herz: Versicherungen sind – auch wenn sie eine sehr wichtige Dienstleistung bieten – klassische Low-Interest-Produkte. Viele Versicherer antworten auf diese Herausforderungen mit einer kostenintensiven Markenstrategie, mit der Entwicklung von aufwändigen Kunden-Webportalen oder einer Smartphone-App. Doch wollen Kunden in der Kommunikation überhaupt enger an Versicherungen gebunden werden? Wir bei enowa bezweifeln das. Warum also Geld in diese Kanäle investieren? Es muss ein anderer Weg zum Kunden geschaffen werden, nämlich über Dritte mit Marktmacht und Kundenzugang, die nicht Makler oder Assekuradeure sind. Die Versicherer werden über diesen Weg für die Kunden zwar unsichtbar – eine Invisible Insurance – dafür jedoch wirtschaftlich erfolgreicher.

Foto eines Vortrags zum Thema Ökosystem Versicherung
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enowa-Vortrag "Invisible Insurance – auf UBERwegen zu neuen Kunden“ im Rahmen des Messekongress IT für Versicherungen der Versicherungsforen Leipzig, November 2017

These 2: Kundenzugang wird in Zukunft über starke Netzwerkpartner in einem Ökosystem erfolgen

Versicherer müssen dorthin gehen, wo die Kunden schon sind. Sie sollten nicht versuchen, Kunden mit teuren Marketingmaßnahmen direkt an sich zu binden, sondern unsichtbar als Dienstleister im Hintergrund agieren. Sie sollten die Vorteile nutzen, die sie gegenüber den aufkommenden Insurtechs im Moment am Markt noch haben: Einen Vertrauensvorsprung gepaart mit jahrzehntelanger Expertise in Produktentwicklung und Regulierung.

StartUp Lemonade setzt auf APIs

Wie schnell dieser Vorsprung schmilzt, zeigt das Insurtech-StartUp Lemonade sehr deutlich. Seit Oktober 2017 bietet es offene Programmierschnittstellen an, mit dem Unternehmen Versicherungsprodukte einfach einbinden können. Laut dem CEO haben dieses Angebot 400 Unternehmen aus den Bereichen Immobilienmanagement, Finanzdienstleistungen, Online-Handel, Haussicherheit und Internet of Things in den ersten 24 Stunden wahrgenommen.

Ökosystem Versicherung: Multiplikatoren sind die neuen Absatzkanäle

Versicherer müssen sich ein Ökosystem aufbauen und starke Netzwerkpartner suchen, die die Kunden täglich nutzen und konsultieren. Das müssen nicht gleich Google, UBER oder AirBnB sein. Anhand von Customer Journeys gilt zu prüfen, wo Kunden heute welche Produkte und Dienstleistung kaufen und welche Versicherungsprodukte hier unterstützend angeboten werden können: Restschuldversicherungen, Reiserücktrittsversicherungen, Mobilitätsversicherungen, Diebstahlschutz – um nur einige zu nennen.

These 3: Aktuelle Legacy-Systeme in der Versicherung sind nur bedingt für eine Integration in bestehende Ökosysteme geeignet

Wie kann ich mich als Versicherer nun jedoch mit meinen alten Legacy-Systemen an solche Multiplikatoren anbinden? Nur sehr schwer, denn es erfordert IT-Systeme, die zum einen hochautomatisiert und effizient arbeiten. Zum anderen müssen sie flexibel und kostengünstig individuelle Anforderungen der Multiplikatoren erfüllen können. Man muss sich bewusst sein, dass die Systeme der neuen Netzwerkpartner, im Gegensatz zu den Systemen klassischer Vertriebspartnern wie Maklern, auf absehbare Zeit keine versicherungsfachlichen Standards wie BIPRO unterstützen werden.

Versicherungs-IT-Systeme müssen gängige technologische Standards verwenden

Es wird deutlich heterogener außerhalb der Versicherungslandschaft! Fachliche, versicherungsfremde Standards, beispielsweise aus der Bankenwirtschaft oder dem Einzelhandel müssen verarbeitet werden können. Dafür müssen die IT-Systeme der Versicherer auf Basis aller gängigen technologischen Schnittstellen-Standards, wie beispielsweise RESTful Web-Services, fachlich hochgradig flexibel konfigurierbare Schnittstellen für die Integration in deren bestehende Ökosysteme anbieten. Unser Komplettsystem „Insurance out of the box“ ist genau für dieses Geschäftsmodell entwickelt worden. Unkompliziert können Versicherungsprodukte mit einer schnellen time to market für Netzwerkpartner entwickelt und mit Hilfe offener, leicht konfigurierbarer Programmierschnittstellen direkt an die Partner angebunden werden.

Anstatt die alten Systeme durch 2-Speed-Architecture Modelle mit Integration Layern an diese Anforderungen anzupassen, sollten Sie für diese Anwendungsszenarien auf unabhängige Systeme zugreifen, die schnell auf- und eingesetzt werden können.

Nutzen Sie den Vertrauensvorsprung, den Sie als Versicherer im Markt genießen, evaluieren Sie in diesem Jahr potentielle Netzwerkpartner und entwickeln Sie gemeinsame Geschäftsmodelle. Gerne beraten wir Sie, wie Sie diese neuen Kundenzugänge technisch umsetzen können.

Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Jahr 2018, in dem Sie sichtbar unsichtbar werden!

Sie haben Fragen rund um das Thema Ökosysteme oder wünschen Prozess-/ IT-Beratung? Sprechen Sie uns gerne an.

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Autor
Vorstand enowa AG Hans-Peter Holl
Hans-Peter Holl
Vorstand Versicherungswirtschaft

Hans-Peter Holl ist Vorstand des Geschäftsbereichs Versicherungswirtschaft der enowa AG. Als Kenner der Versicherungsprozesse und -IT begleitet er seit über fünfundzwanzig Jahren Versicherer bei ihren Digitalisierungsvorhaben. 

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