SAP S/4HANA Architektur – Fragen an unseren neuen CDO/Industrie

Als Deine Schwerpunktthemen für 2018 hast Du SAP S/4 HANA, Machine Learning (ML) und Internet of Things (IoT) genannt. Warum hast Du gerade diese Themen ausgewählt?

In meiner vorangegangenen Rolle als Head of Process Excellence habe ich mich konkret damit beschäftigt, die Geschäftsprozesse unserer Kunden zu optimieren. Als CDO für den Geschäftsbereich Industrie der enowa beschäftige ich mich nun verstärkt damit, welche der vielen Technologien, die im Fahrwasser der Digitalisierung auftauchen bzw. durch sie getrieben werden, speziell für die Veränderung, Verbesserung und Optimierung der Geschäftsprozesse geeignet sind und wie sie Unternehmen regelrecht auffordern, ihre Geschäftsmodelle grundsätzlich zu verändern.

Das Thema „Künstliche Intelligenz“ galt lange Zeit als Marketing-Trend, doch mittlerweile wird es zunehmend greifbar: Machine Learning besitzt ein immenses Potenzial, um Geschäftsprozesse zu optimieren, insbesondere was die (Teil-)Automatisierung angeht. Wie können beispielsweise Kundenrückmeldungen automatisch beurteilt, Standardfragen beantwortet oder bestimmte Muster in Daten erkannt werden? Die Liste an Aufgaben, die automatisiert erledigt werden können, ist lang.

Und IoT? Alles, was sich heute entlang der Supply Chain befindet, ist Bestandteil des Internets und kann entscheidende Informationen über Zustand der Maschine, Position, Füllmenge, Temperatur, Wartungsbedarfe oder Defekte liefern. Auf diese Informationen müssen Unternehmen in geeigneter Weise reagieren, um sie für mehr Effizienz nutzen zu können. Aufgrund der ungeheuren Fülle an Informationen werden sie dazu in Zukunft auf intelligente Systeme wie Machine Learning zurückgreifen. Das heißt: IoT und ML gehören zusammen und können nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Vielmehr werden beide Technologien sich gegenseitig bedingen bzw. beschleunigen und in Zukunft Prozesse, Branchen, die gesamte (Arbeits-)Welt grundlegend verändern.

Inwieweit spielt S/4 HANA in diese Technologie-Überlegungen mit hinein?

S/4 HANA ist die Antwort von SAP auf den Siegeszug dieser Technologien. Mit dieser Architektur, die gleichzeitig den Zugang zur SAP Cloud Plattform (SCP) verschafft, ist gewissermaßen der Grundstein gelegt, um Bereiche wie z.B. IoT– und ML-Szenarien in die Geschäftsmodelle standardisiert einzubinden.

Als Partner von SAP verfügen wir von enowa nicht nur über ausgewiesene SAP-Expertise, sondern setzen uns seit Jahren mit dem Zusammenspiel von Prozessen, Technologien und den beteiligten Menschen auseinander. Innerhalb unserer Beratungsleistungen bieten wir unseren Kunden einen umfassenden Digital Readiness Check an, mit denen wir die Voraussetzungen für einen Wechsel zu S/4 HANA schaffen. Wir begleiten also unsere Kunden auf dem kompletten Weg, von der ersten Analyse über eine individuelle Digital Transformation Roadmap bis hin zur Umsetzung des Projektplans.

Wie fließen diese Themen bei unseren Kunden bereits in der Praxis ein?

Viele unserer Kunden kommen aus der Chemie-Industrie. Der Digitalisierungsgrad ist hier sehr unterschiedlich. Selbstverständlich beschäftigen sich die meisten unserer Kunden mit den neuen Themen und Technologien und der für sie geeigneten IT-Architektur.

In der Praxis erlebe ich jedoch auch, dass das Thema „Digitalisierung“ teilweise noch stiefmütterlich behandelt wird. Das mag daran liegen, dass der Nutzen von IoT oder ML noch relativ abstrakt für die Branche erscheint. Ich halte es allerdings auch für Chemieunternehmen für überlebenswichtig, die Digitalisierung nach oben zu priorisieren und die neuen Technologien für ihre Strategien zu nutzen. Denn die chemische Industrie wird nicht umhinkommen, ihre gesamte Supply Chain – vom Einkauf der Rohstoffe über die Produktion, das Vermarkten und den Verkauf der fertigen Produkte – zu digitalisieren. Hier gibt es innerhalb der Branche bereits erfolgreiche Geschäftsmodelle, die beispielsweise durch das Angebot zusätzlicher Services oder die radikale Vereinfachung von Bezugswegen neue Märkte für sich erschließen konnten.

Bei der strategischen Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle stehen wir unseren Partnern gerne beratend zur Seite. Denn eines ist sicher: Durch die Nutzung von ML und IoT können sich Unternehmen gegenwärtig schon Vorteile gegenüber anderen Mitbewerbern verschaffen. Zukünftig wird aber gelten, dass Unternehmen, die diese Technologien nicht nutzen, keine Rolle mehr spielen werden.

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Autor
Foto von Thomas Haendly
Thomas Haendly
Chief Digital Officer und Managing Partner

Thomas Haendly ist Chief Digital Officer und Managing Partner im Geschäftsbereich Industrie bei enowa. Er leitet das Digital Innovation Lab, das sich mit zukunftsweisenden Technologien wie IoT, ML und KI beschäftigt und Use Cases für Unternehmen aus Chemie, Fertigungsindustrie und Retail entwickelt.

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Wolfgang Hornung,   /   09. April 2021
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