SAP Solution Manager? Oder doch SAP Cloud ALM?

Das Thema Application Lifecycle Management (ALM) spielt in Unternehmen seit Jahren eine immer größer werdende Rolle, insbesondere in den Bereichen Einführung und Betrieb von SAP-Systemen. Die zentralen Ziele von ALM sind dabei, während aller Projektphasen einer SAP-Einführung den Einsatz von Ressourcen und die Kosten des Betriebs und der Wartung zu optimieren.

Das Wartungsende des SAP Solution Managers 7.2 ist mit dem 31.12.2027 gesetzt. Fest steht, dass es keine weitere Version des SAP Solution Managers mehr geben wird. Eine Neu- bzw. Weiterentwicklung ist nicht in der Pipeline.
Welche Angebote und Möglichkeiten sich für SAP Anwender im Bereich Application Lifecycle Management (ALM) zukünftig ergeben, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

Welche ALM-Lösungen bietet SAP an?

Die SAP bietet als ALM-Lösungen zwei unterschiedliche Produkte an, die im Folgenden vorgestellt und verglichen werden.

Solution Manager (SolMan)

Zum einen gibt es den SAP Solution Manager, der in der aktuellen Version 7.2 seit 2016 verfügbar ist. Es handelt sich dabei um ein gereiftes Tool für Application Lifecycle Management, dass im halbjährlichen Rhythmus mit neuen Support bzw. Feature Packages versorgt wird. Der SolMan wird mit integrierten Standardprozessen für ALM ausgeliefert, und bietet eine große Anzahl von Anpassungsmöglichkeiten für kundenspezifische Wünsche. Kein Vorteil ohne Nachteil: Kundenspezifische Anpassungen können den Test- und Korrekturaufwand für das Einspielen eines neuen Support bzw. Feature Packages erheblich vergrößern.

Seit Januar 2020 kann im SolMan lizenzkostenfrei das Add-On „Focused Build & Insights“ installiert und genutzt werden. Darin enthalten sind zusätzliche integrierte Standardlösungen für ALM, die einen großen Mehrwert bieten. Dazu gehören beispielsweise abgespeckte ChaRM-Prozesse, ein Dashboard Builder, oder ein Test Steps Designer zum unkomplizierten Erstellen von Testplänen.

Für Kunden mit sehr vielen SAP-Landschaften ist eine weitere, lizenzkostenpflichtige, Lösung von SAP verfügbar, die speziell auf das Monitoring ausgerichtet ist: „Focused Run“.

Cloud ALM (CALM)

Seit 2020 wird das Tool Cloud ALM (CALM) angeboten. Dieses Tool existiert ausschließlich als Software-as-a-Service (SaaS) in der SAP Cloud für Kunden mit Enterprise-Support (Cloud Editions). Die darin enthaltenen Funktionalitäten sind direkt out-of-the-box einsetzbar. 

Ein großer Vorteil von CALM sind regelmäßig von SAP nachgereichte, neue Features und Fehlerkorrekturen. Eine Liste neu hinzugefügter Features finden Sie hier.

Hat CALM die gleichen Features wie der SolMan?

Das Einsatzgebiet des SAP Solution Managers ist primär die Anbindung und Nutzung von on-premise Systemen. Cloud ALM hingegen richtet sich an die Kunden, die SAP Cloud Systeme im Einsatz haben.

Da dies unterschiedliche Einsatzgebiete sind, bietet SAP Cloud ALM auch nicht die breite Palette an Features, die im SolMan verfügbar sind.

Interessant: Das zentrale SolMan-Feature „Change Control Management“, dass in CALM bislang noch fehlt, soll laut der Ankündigung von SAP noch nachgelagert umgesetzt werden. (Quelle: DSAG Thementage SAP Solution Manager 2022).

Einige andere, noch fehlende Features des SolMan werden in CALM, laut SAP nicht umgesetzt. Dazu zählen das IT Service Management inklusive aller dazugehörigen Features und Vorgangsarten. Soll dies weiterhin nutzbar sein, muss auf 3rd Party Tools ausgewichen werden, wie bspw. ServiceNow oder Jira.

Mit CALM können sowohl für die Implementierung als auch für den Betrieb viele Funktionen des ALM genutzt werden. Dazu zählen beispielsweise Apps für Implementierungs-Projekte mit der Definition des Scopes und der vorhandenen Prozesse, sowie die Testvorbereitung und -ausführung. Im Betrieb existieren unterschiedliche Möglichkeiten des Monitorings, dazu gehören unter anderem das Business Process Monitoring, ein Health Monitoring, oder ein Job- und Automatisierungs-Monitoring.

Wie kann CALM eingesetzt werden?

Zunächst einmal, es ist nicht vorgesehen, SolMan-Content in CALM einzubinden oder hochzuladen, das heißt, es gibt keinen Migrationspfad vom SolMan zu Cloud ALM. Dies ist auch nicht erforderlich, denn die Einsatzgebiete sind unterschiedlich.

Innerhalb einer S/4HANA Einführung ist die Empfehlung, das SAP Activate Framework und Fit-to-Standard Workshops einzusetzen. Im Rahmen der SAP Activate Methodik werden im Digital Discovery & Assessment Tool Prozesse ermittelt. Generell sollte bei einer S/4HANA Einführung dieser Pfad beschritten werden, um festzustellen, ob S/4HANA Cloud ERP zur Organisation passt.

Optional können die im DDA Tool ermittelten Prozesse in Cloud ALM als Starting-Point für eine Dokumentation hochgeladen werden. Dies kann auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

An wen richten sich die Tools SolMan bzw. CALM?

Wird ein S/4HANA on-premise System eingesetzt und nur wenige Cloud-Systeme verwendet, kann der SolMan als ALM-Tool weiterverwendet werden.

CALM hingegen richtet sich an Kunden, deren Systeme in der SAP Cloud Platform betrieben werden. Die von SAP angebotenen SAP Cloud Platform-Produkte lassen sich in CALM einbinden.

K(l)eine Überraschung: In CALM können auch on-premise Systeme eingebunden werden.

Sie verfügen bereits über SAP Cloud-Systeme und haben Enterprise-Support für Ihre SAP Cloud-Systeme miteingekauft, dann gibt es die Möglichkeit, SAP Cloud ALM kostenfrei zu nutzen. Dies sollten Sie auch unbedingt wahrnehmen. Je früher Sie mit der Planung auf einen Umstieg auf CALM beginnen, desto eher können Sie sich mit den Features von CALM vertraut machen.

Wie sieht die Zukunft des SolMan aus?

Haben Sie keine Systeme in der Cloud, dann machen Sie sich wahrscheinlich heute schon Gedanken darüber, welche Ihrer on-premise Systeme Sie zeitnah dorthin bekommen.

Ganz aussterben werden on-premise Systeme wahrscheinlich nicht. Was heißt das für Sie, wenn Sie auch noch nach dem Jahr 2027 on-premise Systeme im Betrieb haben? Der SolMan läuft selbstverständlich nach dem Wartungsende weiter, aber wie geht man mit einem aus der Wartung gelaufenen SolMan um? Unsere Erfahrung aus Kundenprojekte ist, dass ein nicht mehr gewarteter SolMan enorme Probleme bereiten kann. Zum einen kann es passieren, dass Sie nicht mehr auf Inhalte der SAP zugreifen können (Support Hub Verbindung), oder dringend benötigte Sicherheits-Patches können nicht mehr eingespielt werden (Oracle, Java). Da der SolMan von der Verbindung zur SAP „lebt“, ist ein „toter“ SolMan aufgrund auftretender Sicherheitslücken ein Sicherheitsrisiko, der abgelöst werden sollte. Die Alternative von SAP dazu lautet SAP Cloud ALM.

Wie sieht die Planung für CALM aus?

Das Wartungsende des SAP Solution Managers 7.2 ist der 31.12.2027, eine Extended Maintenance wird höchstwahrscheinlich für einen Aufpreis erhältlich sein. Fest steht allerdings schon heute, dass es keine weitere Version des SAP Solution Managers mehr geben wird. Eine Neu- bzw. Weiterentwicklung ist nicht in der Pipeline.

Daher ist die Planung für CALM relativ eindeutig. Mit diesem Produkt möchte SAP für cloud-basierte Systeme eine Lösung anbieten, die alle Features von ALM abbildet. Falls on-premise Systeme weiterhin betrieben werden sollen, können diese ebenfalls in CALM eingebunden werden.

Auch Sie stehen vor der Entscheidung wie es nach dem Auslauf des Solution Manager Ende 2027 mit ALM weiter geht?

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