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    enowa Blog

    Avatar of Matthias MüllerMatthias Müller - 31. März 2020 (Lesezeit: -)

    enowa im Zoom - Matthias Müller

    Seit dem 01. Januar 2020 ist Matthias Müller neuer Chief Sales Officer (CSO) im Geschäftsbereich Versicherungswirtschaft der enowa AG. Die Corona-Krise stellt auch ihn und die enowa vor eine große Herausforderung. Welche Schritte aktuell zu gehen sind – als Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen – das erläutert er im Interview.

    Matthias, eigentlich wollten wir mehr über Deinen persönlichen Weg und Deine neuen Aufgaben bei der enowa sprechen. Nun hat sich binnen weniger Wochen unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Was siehst Du aktuell als Deine und unsere Hauptaufgaben?

    Besonders wichtig ist es jetzt, da Corona alles fest im Griff hat, die Teamfähigkeit – untereinander sowie extern bei den Kunden – zu erhalten, auch wenn man sich nicht persönlich begegnet. Glücklicherweise ist die enowa darauf ausgerichtet und alle Mitarbeiter/innen können weiterarbeiten, wie sie es ansonsten auch tun: Vieles läuft bei uns auch zu „normalen“ Zeiten remote ab, wir sind es gewohnt, über Websessions o.Ä. zusammenzuarbeiten.

    Bei dieser Art der Kommunikation und besonders in dieser für uns alle herausfordernden Phase ist Teamgeist essentiell, Werte wie Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung gegenüber den eigenen Mitarbeiter/innen und den Kunden sind jetzt entscheidender denn je.

    Das möchten wir auch unseren Kunden vermitteln und sie – technisch wie menschlich – dabei unterstützen, auch während dieser Krise handlungsfähig zu bleiben. Die Kundenansprache ist auf konventionellem Weg jetzt schwieriger. Natürlich kann man 1:1 in Kontakt treten, wobei die telefonische Erreichbarkeit gerade eher schwierig ist. Veranstaltungen werden abgesagt, der direkte und persönliche Kundenkontakt vor Ort ist so aktuell nicht mehr existent. Umso wichtiger ist es jetzt, die Möglichkeiten, die wir uns durch die Digitalisierung eröffnet haben, zu nutzen und hier mehr Gas zu geben als je zuvor! Das gilt für unsere Kunden ebenso wie für uns selbst.

    Was zeichnet Führungskräfte in Krisensituationen aus?

    Für Führungskräfte ist vielleicht ein Zitat von Max Frisch hilfreich: „Krisen sind ein produktiver Zustand. Man muss ihnen nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

    1. Führungskräfte sollten sachlich und mit kühlem Kopf die Situationen bewerten, alle Optionen ausloten und Pläne für mehrere Szenarien im Kopf haben.
    2. Zu den wichtigsten Führungsqualitäten gehört eine gute Portion Kreativität. Wir sehen ja gerade, wie neue Geschäftsideen in Krisenzeiten aus dem Boden sprießen und regelrecht boomen. Führungskräften können das nicht alleine umsetzen, aber sie können die Kreativität und die Eigenmotivation ihrer Mitarbeiter/innen fördern. Ich sehe das im Moment auch bei uns selbst: Unsere Mitarbeiter/innen haben den Mut und das Herzblut, schnelle und unkonventionelle Lösungen zu entwickeln. Das gilt es zu fördern und zu unterstützen!
    3. Führungskräfte sollten gerade jetzt nicht nur Führungsstärke zeigen, sondern auch ein hohes Maß an Empathie: Wir haben große fachliche Herausforderungen zu bewältigen, doch es ist wichtig, zu erkennen, welche Mitarbeiter/innen gerade an ihre Grenzen stoßen und angemessen damit umgehen.

    Für Prognosen ist es in der jetzigen, dynamischen Situation zu früh. Aber was denkst Du, welche Auswirkungen die Krise auf unsere Arbeitswelt und die Versicherungswirtschaft haben wird?

    Corona zeigt uns gerade, welchen Weg die Arbeitswelt konsequent verfolgen muss: Remotefähigkeit – nicht nur für den Außendienst – hat dramatisch an Bedeutung gewonnen. Sie ermöglicht

    • Neue Formen der Teamarbeit durch den Einsatz von digitalen Tools
    • Mehr Flexibilität, bspw. durch einfach aufgesetzte Video- und Telefonkonferenzen
    • Größere Effizienz, bspw. durch das Einsparen von Reisezeit
    • Und nicht zuletzt eine gewisse Sicherheit, die Arbeitsfähigkeit auch in Krisenzeiten zu erhalten.

    Einiges – wie das persönliche Gespräch vor Ort – wird es sicherlich auch nach Corona wieder geben und wichtig bleiben. Doch in Zukunft werden diese Aspekte stärker auf den Prüfstein gestellt und neu bewertet. Das Gefühl, den Mitarbeiter oder Berater vor Ort haben zu müssen, damit Arbeitsaufgaben oder Projekte funktionieren, ist schon jetzt bei vielen der Erfahrung gewichen, dass es auch anders geht. In Zeiten nach dem Corona-Peak – denn das Virus wird nicht gänzlich verschwinden – wird dieses Wissen in den Köpfen hängen bleiben und das branchenübergreifend. In der Versicherungsbranche muss man nun fragen, wie Verfügbarkeit hergestellt werden kann, wenn in einem Billiglohnland alles stillsteht. Das betrifft auch Dienstleister, die Offshore-Entwicklung betreiben und nun feststellen, dass Mitarbeiter nach Hause wollen und anschließend nicht mehr nach Deutschland einreisen können. In manchen fernen Ländern besteht im Falle eines Shutdown beispielsweise überhaupt keine Möglichkeit zuhause remote zu arbeiten.

    Ich denke, dass in den IT-Vorhaben für 2021 bei vielen IT-Verantwortlichen das Projekt „Arbeitsfähigkeit von außerhalb herstellen“ auf dem Plan stehen wird. Gerade bei den Versicherungen, bei denen die IT und die Anwendungen der Dreh- und Angelpunkt für alles sind. Da wird es einiges an Investitionen geben müssen, was bisher nicht in dem Maße auf dem Radarschirm war.

    Und was die Corona-Krise insgesamt betrifft? Ich persönlich gehe davon aus, dass wir alle trotz aller Widrigkeiten letztlich gestärkt aus der Krise herausfinden werden, wie das bei allen Krisen im Weltgeschehen bisher der Fall war. Hauptsache, man bleibt nicht einfach stehen.

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